

Grundlage sind Beobachtungen und Diskussionen aus Anwender-Communities rund um Enterprise-KI-Plattformen, anonymisiert und ohne Nennung einzelner Unternehmen.
Jedes Unternehmen, das KI ernsthaft einführt, kommt an denselben Punkt. Aus fünf Tools werden drei, aus drei wird eins. Eine Plattform, ein Login, eine Rechnung, ein Ansprechpartner für die IT. Das ist die richtige Entscheidung, und wir empfehlen sie selbst in den meisten Rollouts.
Der Preis steht nur in keinem Angebot: Ab dem Moment der Konsolidierung erzeugt jede Produktänderung des Anbieters Arbeit bei euch.
Diese Woche hat sich das in einer der meistgenutzten Plattformen sehr konkret gezeigt. Ein neues Konfigurationsblatt für Agenten wurde ausgerollt, fachlich ein Fortschritt. Bei der Migration verschwand allerdings die Struktur aus bestehenden Agenten-Anweisungen. Nicht die Texte, die Struktur. Teams, die ihre Anweisungen nach einem festen Schema aufgebaut hatten, standen mit Agenten da, die in der Produktion nicht mehr taten, was sie sollten. Ein Team beschrieb das Zurückschreiben von Hand als Arbeit von mehreren Tagen.
Wer aus dem Vorfall die Lehre zieht »dann eben ein anderer Anbieter«, hat ihn nicht verstanden. Jede Plattform ändert ihr Produkt, das ist ihr Geschäft. Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern was es bei euch kostet, wenn es passiert.
Bemerkenswerter als der Vorfall ist eine zweite Bewegung, die in denselben Communities gerade sichtbar wird. Nachdem jahrelang alles in Richtung Konsolidierung lief, wandern jetzt genau zwei Arten von Last wieder aus der zentralen Plattform ab.
Die zeitkritische Last. Wer Agenten programmatisch aufruft, etwa aus einer Automatisierungsstrecke heraus, berichtet von Antwortzeiten bis zu fünf Minuten pro Aufruf. Für einen Chat ist das ärgerlich. Für eine Kette aus mehreren Schritten ist es das Ende. Mindestens ein Anwender hat diese Last deshalb auf spezialisierte Anbieter verlagert und dort belassen. Das Chat-Produkt bleibt im Haus, die Automatisierung geht.
Die vertrauliche Last. Der zweite Fall kam aus einer sehr konkreten Anforderung: Aufsichtsrats- und Beiratssitzungen mit bis zu 30 Personen im Raum. Audio, Transkript und Zusammenfassung dürfen das Haus nicht verlassen. Gefordert waren mehrere Mikrofone, lokale Transkription, verlässliche Sprechertrennung, und erst danach die Übergabe der fertigen Zusammenfassung an das zentrale System. Für diese Anforderung gibt es derzeit keine Lösung, die eine nicht-technische Person im Sitzungssaal bedienen kann. Selbstgebaute Aufbauten funktionieren, taugen aber nicht für ein Gremium.
Dazu kommt ein dritter Fall, über den seltener gesprochen wird: Wo Generierung in großem Volumen gebraucht wird, laufen Teams gegen Nutzungsgrenzen, die für Wissensarbeit gemacht sind, nicht für Fließbandbetrieb. Auch diese Last sucht sich einen Weg nach draußen, oft ohne dass die IT davon weiß.
Aus diesen drei Fällen lässt sich dieselbe Architektur ableiten, und sie ist nicht »alles hinein«.
Sensibles und Volumenstarkes läuft davor. Nur das Ergebnis geht in das zentrale System.
Das klingt nach einem Rückschritt und ist das Gegenteil. Die zentrale Plattform bleibt der Ort, an dem euer Wissen zusammenläuft, an dem Rechte verwaltet werden und an dem die Belegschaft arbeitet. Was sie nicht sein muss, ist der Ort, an dem jede Verarbeitung physisch stattfindet.
Praktisch heißt das drei Fragen pro Anwendungsfall:
Alles, was dreimal Nein ergibt, gehört ohne Diskussion in die zentrale Plattform. Das ist die große Mehrheit.
Ein Mitglied brachte den Punkt in einer Diskussion auf die kürzeste Form: Wer Unternehmensprozesse um eine einzige Plattform baut, erzeugt mit fast jeder Produktänderung Nacharbeit.
Das ist kein Argument gegen Konsolidierung. Es ist ein Argument dafür, den Abstand zwischen eurem Prozess und dem Produkt eines Anbieters bewusst zu wählen, statt ihn auf null fallen zu lassen. Drei Dinge gehören euch, nicht der Plattform:
Nehmt eure fünf wichtigsten KI-gestützten Abläufe und stellt für jeden die drei Fragen von oben. Erfahrungsgemäß fallen ein bis zwei heraus, die heute in der zentralen Plattform laufen und dort strukturell nicht hingehören. Das ist kein Grund für ein Projekt. Es ist der Punkt, an dem ihr das nächste Mal nicht überrascht werdet.
Und für alles, was drinbleibt: Sichert die Anweisungen. Das kostet eine halbe Stunde und ist der einzige Schutz, der bei der nächsten Migration wirklich trägt.



0 Comments
Login or Register to Join the Conversation
Create an AccountLog in