
Member Content
Lesezeit: 5 Minuten
Wer KI im Unternehmen einsetzt, steht früher oder später vor einer simplen Frage: Woher soll die KI eigentlich wissen, wovon ich rede?
Die ehrliche Antwort: Von nirgendwo. KI-Modelle (egal wie fortschrittlich) wissen nichts über euer Unternehmen. Nicht eure Kunden, nicht eure Prozesse, nicht eure aktuelle Strategie. Alles, was sie haben, ist das, was ihr ihnen gebt. Und genau hier trennt sich die KI-Nutzung, die Ergebnisse liefert, von der, die frustriert.
Stellt euch das Wissen, das ein neuer Mitarbeiter braucht, um am ersten Tag produktiv zu sein. Nicht am hundertsten, am ersten. Er braucht:
Der häufigste Ansatz, den wir sehen: Unternehmen laden eine Sammlung von PDFs, Präsentationen und Tabellen in ein KI-Tool hoch und erwarten, dass „die KI jetzt alles weiß". Das Ergebnis ist in der Regel ernüchternd.
Das Problem ist nicht die Technologie. Das Problem ist, dass eine Ansammlung von Dokumenten noch kein strukturiertes Wissen ist. Wenn ich einem Menschen 200 unkommentierte Dateien auf den Schreibtisch lege, wird er auch nicht produktiv, er wird überwältigt.
Strukturiertes Unternehmenswissen bedeutet: kuratiert, modular, aktuell. Es bedeutet, dass ich bewusst entscheide, welche Informationen in welcher Form bereitgestellt werden. Nicht ein Datengrab, sondern ein lebendiges System.
Ein praktischer Ansatz, der sich bewährt hat: Wissen in modularen Profilpages aufbauen. Statt ein monolithisches „Wissensdokument" zu pflegen, erstellt ihr fokussierte Einzeldokumente: Ein Unternehmensprofil, eine Service-Beschreibung, ein Kundensegment-Profil, ein Marktüberblick.
Der Vorteil: Jeder KI-Agent bekommt genau die Profilpages, die er für seine Aufgabe braucht. Der Marketing-Agent braucht das Kundensegment-Profil. Der Onboarding-Agent braucht das Unternehmensprofil. Der Strategie-Agent braucht beides plus den Marktüberblick.
Modularität statt Monolith - das gleiche Prinzip, das in der Softwareentwicklung seit Jahrzehnten gilt, funktioniert auch für Unternehmenswissen.
Das vielleicht kraftvollste Konzept im Context Engineering ist das Logbuch. Inspiriert vom Logbuch der Seefahrt, ein chronologisches Dokument, das fortlaufend die wichtigsten Ereignisse, Entscheidungen und Erkenntnisse dokumentiert.
Für KI-Systeme ist ein Logbuch deshalb so wertvoll, weil es zwei Probleme gleichzeitig löst: Es baut Langzeitgedächtnis auf (die kumulative Dokumentation über Monate) und liefert die Grundlage für das Kurzzeitgedächtnis (den wöchentlichen Fortschritt).
Die wichtigste Eigenschaft eines guten Logbuchs: Es wird nicht von Hand geschrieben. Es entsteht automatisiert aus den natürlichsten Wissensquellen, die ein Unternehmen hat, seinen Meetings.
Wer mit Context Engineering starten will, muss nicht programmieren können. Der erste Schritt ist ein mentaler: Hört auf, KI als Tool zu denken, und fangt an, sie als Teammitglied zu denken. Ein Teammitglied, das eingearbeitet werden muss. Das aktuelle Informationen braucht. Das wissen muss, wie das Unternehmen tickt.
Der Rest (Basisprompt, Logbuch, Profilpages) ist Handwerk. Anspruchsvolles Handwerk, aber erlernbar. Die eigentliche Herausforderung ist die Entscheidung, es ernst zu nehmen.

0 Comments
Login or Register to Join the Conversation
Create an AccountLog in