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Es gibt einen Satz, der in der KI-Welt gerade eine stille Revolution auslöst: Kontext schlägt Intelligenz. Kein neues Modell, kein Benchmark, keine Feature-Ankündigung, sondern eine simple Erkenntnis: Ein durchschnittliches KI-Modell mit exzellentem Kontext liefert bessere Ergebnisse als das leistungsfähigste Modell der Welt mit dünnem Kontext.
Für Führungskräfte ist das eine unbequeme Nachricht. Denn sie bedeutet: Die wichtigste Investition in KI ist keine Technologieentscheidung, es ist eine Wissensentscheidung.
Context Engineering beschreibt den systematischen Aufbau, die Pflege und die Bereitstellung von Unternehmenswissen für KI-Systeme. Es ist die Disziplin, die zwischen „KI ausprobieren" und „KI produktiv einsetzen" steht.
Im Kern geht es um vier Elemente, die zusammen das bilden, was wir bei DECAID als Unternehmenswissen bezeichnen:
Wenn diese vier Elemente in einem konsistenten System zusammenfließen, entsteht etwas, das für jede KI (ob Assistent, Agent oder Workflow) die Arbeitsgrundlage bildet.
Die Branche diskutiert leidenschaftlich über GPT-5, Gemini 2.5, Claude, und natürlich sind Unterschiede relevant. Aber hier ist die nüchterne Wahrheit: Wer sein KI-System mit einem dreizeiligen Prompt und null Kontextdokumenten betreibt, wird von keinem Modellwechsel der Welt gerettet.
Die Analogie liegt nahe: Stellt euch vor, ihr stellt eine brillante Führungskraft ein — Harvard-Abschluss, 15 Jahre Erfahrung, ausgezeichnete Referenzen. Und dann setzt ihr sie an den Schreibtisch, ohne Einarbeitung, ohne Zugang zu internen Dokumenten, ohne Vorstellung beim Team. Was passiert? Mittelmäßige Ergebnisse. Nicht wegen mangelnder Intelligenz, sondern wegen mangelndem Kontext.
Hier liegt das vermutlich größte Missverständnis: Context Engineering wird reflexartig der IT-Abteilung oder dem „KI-Team" zugeordnet. Aber die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, sind organisatorischer, ökonomischer und strategischer Natur.
Welche Meetings werden transkribiert, und welche nicht? Wer verantwortet die Datenqualität? Wie oft werden Informationen verarbeitet: Täglich, wöchentlich, monatlich? Welche Informationen dürfen in welche Kontextdokumente fließen? Wo ist die Grenze zwischen Transparenz und Datenschutz?
Das sind Führungsfragen. Und sie zu delegieren, ohne sie verstanden zu haben, ist einer der häufigsten Fehler, den wir in der Praxis sehen.
Wenn Unternehmenswissen systematisch aufgebaut ist, passieren mehrere Dinge gleichzeitig:
Context Engineering ist kein weiteres Buzzword. Es ist die Antwort auf die Frage, die sich jede Organisation stellt, die KI über das Individuum hinaus skalieren will: Wie schaffe ich es, dass meine KI-Systeme nicht im luftleeren Raum operieren, sondern in dem Unternehmen, das sie unterstützen sollen?
Die Antwort ist einfach zu formulieren und anspruchsvoll umzusetzen: Gebt ihnen den Kontext, den sie brauchen.

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