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Warum schlechte UX teuer wird – n8n vs. Power Automate

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Ein ehrlicher Erfahrungsbericht aus der Praxis

 

n8n

PowerAutomate

 

Diese Woche hatte ich ein Projekt, das mich an meine Grenzen gebracht hat. Nicht wegen der Komplexität des Problems – sondern wegen des Tools, das ich dafür nutzen musste: Microsoft Power Automate .

Ich sage das nicht leichtfertig. Ich arbeite seit Jahren mit Low-Code- und No-Code-Tools für Prozessautomatisierung. n8n, Make, Zapier – all diese Plattformen haben ihre Eigenheiten, ihre Stärken und ihre Schwächen. Aber bei jeder dieser Plattformen bin ich nach spätestens ein bis zwei Stunden in der Lage, sinnvolle, produktive Workflows zu bauen. Der Einstieg fühlt sich intuitiv an. Der Prozess macht Spaß.

Bei Power Automate war das anders.

 

Der Moment, in dem mir klar wurde, dass etwas nicht stimmt

Ich wollte einen vergleichsweise simplen Teil-Workflow umsetzen. Kein Hexenwerk. Dinge, die ich in n8n in einer halben Stunde erledigt hätte. Aber stattdessen verbrachte ich Stunden damit, herauszufinden, was die einzelnen Input-Felder überhaupt von mir wollen.

Kein Hinweis. Keine klare Beschriftung. Kein Tooltip, der wirklich hilft. Stattdessen: Trial and Error. Research. Nochmal Trial and Error.

Um einen Test zu starten? Mindestens drei bis fünf Klicks. Bei n8n ist es einer.

Die Execution History, um das Ergebnis meines Tests zu sehen? Die öffnet sich in einem separaten Fenster. Ich musste also ständig zwischen zwei Fenstern hin- und herwechseln – bis irgendwann, aus einem mir unbekannten Grund, die Ansicht plötzlich im selben Fenster erschien.

Und dann kam der Moment, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich bin kurz im Tab zurück gepsrungen, ohne zu speichern – und alles seit dem letzten Speicherpunkt war weg. Keine Warnung. Kein Auto-Save. Einfach weg.

Ich gehöre noch zu der Generation, die jedes Word-Dokument alle fünf Sekunden mit Strg + S gesichert hat. Ich kenne den Schmerz des verlorenen Fortschritts. Aber das ist 2026. Das ist kein Standard mehr– erst recht nicht bei einer modernen Workflow-Plattform.

 

Microsoft-Integrationen: Die erhoffte Stärke, die mich im Stich ließ

Das eigentliche Verkaufsargument von Power Automate dachte ich ist doch genau das: die tiefe Integration ins Microsoft-Ökosystem. Teams, SharePoint, Excel, Word – alles aus einer Hand, alles nahtlos verbunden.

Die Realität sieht anders aus.

SharePoint-Unterordner lassen sich zum Teil nur über die Microsoft Graph API anlegen – also nicht mit einfachen Boardmitteln der Plattform selbst. Der unterschied ob ich die integrationen in n8n oder Powerautomate nutze, ist ehrlichwerise nicht groß.

Und Word? Ich habe bis heute keinen einfachen Weg gefunden, den Text einer Word-Datei mit Power Automate zu lesen oder zu bearbeiten. Was ich gefunden habe: einen Workaround, bei dem die Datei in ein ZIP-Archiv umgewandelt, entpackt und dann die enthaltenen XML-Dateien gefiltert werden. Das soll der Stand einer modernen Workflow-Plattform im Jahr 2026 sein?

 

Copilot als Pflaster auf einer offenen Wunde

Microsoft hat Copilot in Power Automate integriert. Ich verstehe warum.

Nicht weil das Produkt so gut ist – sondern weil es so komplex ist, dass ich ohne KI-Hilfe bei jedem zweiten Schritt stecken bleiben. Das ist kein Feature. Das ist ein Symptom.

Ich habe Copilot ausprobiert. Einmal hat es funktioniert. Beim nächsten Versuch bekam ich meinen eigenen Input als Output zurück. Keine Erklärung. Kein Hinweis, was schiefgelaufen ist.

 

Was n8n anders macht – und warum das zählt

Ich möchte hier keine Werbung für n8n oder andere Tools machen. Jedes Tool hat seine Schwächen. Aber es gibt einen Grund, warum wir inzwischen einen umfangreichen Katalog an Workflows und Sub-Workflows in n8n aufgebaut haben, mit dem wir Kundenprojekte schnell und zuverlässig umsetzen.

Dieser Grund ist UX.

In n8n sehe ich auf einen Blick, was mein Workflow tut. Loops und IF/Else-Verzweigungen sind grafisch klar dargestellt – übersichtlich, nachvollziehbar, ästhetisch. Ich starte einen Test mit einem Klick. Ich sehe das Ergebnis sofort, im selben Fenster. Ich kann meinen Trigger jederzeit ändern oder mehrere anlegen. Und wenn mir die Boardmittel nicht reichen, schreibe ich einen kurzen Code-Node in JavaScript oder Python – fertig.

Das ist der Unterschied zwischen einem Tool, das mich befähigt, und einem Tool, das mich beschäftigt.

 

Mein Fazit: Gute UX ist kein Nice-to-have. Sie ist Geld.

Die Power Automate-Profis unter euch werden jetzt vielleicht sagen: "Das ist doch alles lösbar. Du musst dich nur einarbeiten. Du hast die Features nicht verstanden. Du hast dich nicht genug damit beschäftigt."

Möglicherweise. Aber genau das ist der Punkt.

Warum sollte ich Stunden investieren, um Basics herauszufinden, die bei anderen Tools in Minuten klar sind?

Für dieselbe Umsetzung brauche ich in Power Automate schätzungsweise vier- bis fünfmal so lange wie in n8n, Make oder Zapier. Das ist meine Erfahrung aus dieser Woche. Witzigerweise hatte ich auch Experten aus unserer Community gefragt ob Sie das Projekt übernehmen wollen, aber niemand wollte oder konnte mit PowerAutomate arbeiten.

Mein Entschluss ist klar: Für Projekte, die Power Automate erfordern, werde ich künftig ablehnen oder einen entsprechenden Aufschlag berechnen. Nicht aus Trotz – sondern weil der Mehraufwand real ist.

Denn schlechte UX ist nicht nur nervig. Sie ist teuer.

Wie sind eure Erfahrungen mit Power Automate – oder anderen Workflow-Tools? Ich bin gespannt auf eure Perspektive in den Kommentaren.

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Simon Sommer
Head of DECAID Community

Simon ist ein Innovationsenthusiast, der in verschiedenen Rollen als Gründer und C-Level Executive digitale Geschäftsmodelle von der Idee bis zur Skalierung begleitet. In seiner aktiven Rolle in der Tech- und Startup-Szene, fördert er den Austausch über Zukunftsthemen wie KI und Circular Economy. Durch DISO ventures unterstützt er als Venture Architekt Unternehmen dabei, innovative Projekte umzusetzen und nachhaltig am Markt zu etablieren.

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